Torfestival im Business-Campus-Sportpark mit besserem Ende für Garching

Wenn man nach einem unterstützenden Beispiel für die Aussage des Ehrenpräsidenten des FC Bayern München über den Handballsport ("Es scheppert vorn, es scheppert hint") suchen müsste, würde Herr Beckenbauer sich im vergangenen Spiel der Ersten Mannschaft des VfR Garching bestätigt sehen. Ironischerweise war das Opfer dieser Aussage auch noch ausgerechnet die zweite Herren-Handballmannschaft aus seinem Herzensverein.

Doch alles von Beginn an: der FC Bayern München II lag schnell mit zwei Toren in Front – und sollte diese Führung mit in die Pause nehmen. So knapp ließe sich die erste Halbzeit beschreiben. Auf jegliche Garchinger Anschlusstreffer fanden die Gäste eine Antwort bis das Schiedsrichtergespann beim Stand zum 20:22 aus Sicht des VfR zum Pausentee bat.

Die Zuschauer im gut gefüllten Business-Campus-Sportpark dürften angesichts von 42 Treffern im ersten Durchgang voll auf ihre Kosten gekommen sein, VfR-Trainer und selbsternannter Abwehr-Ästhet Michael Schmidt war sichtlich etwas anders zumute.

Der Start in den zweiten Durchgang verlief für die Garchinger auch erfolgreicher als noch zu Spielbeginn. Schnell war der Rückstand aufgeholt und die nächsten zehn Minuten jagte ein Führungstor das nächste. Erst im zweiten Drittel dieser Halbzeit vermochte es die Erste des VfR Garching sich eine komfortable 4-Tore-Führung herauszuspielen. Eine kurze Phase dieses Spiels, in welcher Michael Schmidt sich kurz bestätigt sehen musste, dass so etwas wie Abwehrarbeit doch einen tieferen Sinn hatte.

Im Anschluss jedoch leisteten sich die Hausherren etwas zu viel Komfort und ruhten sich etwas zu lang auf dieser Führung aus, sodass diese langsam zusammenschmolz und der FC Bayern fünf Minuten vor Schluss sogar in Führung gehen konnte. Ein Teamtimeout wirkte jedoch wie Treibstoff in der Garchinger Angriffsmaschinerie, die, angeführt von Sebastian Lehmann und Nico Baierlein, noch vor Anbruch der Schlussminute die Entscheidung herauswarf. Beim Stand von 40:38 ergab sich der FC Bayern München II langsam seinem Schicksal und nach einem weiteren Fehlwurf stand fest, dass die zwei Punkte an diesem Sonntag in Garching bleiben sollten.

Letztlich zappelte der Ball also innerhalb von 60 Spielminuten 78-mal im Netz. Die Sitzschalen in der Münchner Allianz Arena würden angesichts achtundsiebzigmaligen jubelnden Hüpfens von 75.000 Fußballfans komplett ihren Sinn verlieren, die Garchinger Fans hingegen dürften sich die Hände wund geklatscht haben. Aber Unterschiede zwischen Fußball und Handball haben auch ihr Gutes:

Es scheppert vorn, es scheppert hint - nur, dass halt nicht immer Bayern g'winnt.

 

Dirk Peschl